Vielleicht kennst du dieses Gefühl:
Du hast schon viel an dir gearbeitet, reflektiert, verstanden – und trotzdem fühlt es sich an, als würdest du innerlich auf der Stelle treten.
So ging es mir lange Zeit.
Ich hatte innerlich bereits so viel erkannt, aber nach außen war davon kaum etwas sichtbar. Es war, als würde etwas in mir feststecken. Nicht laut. Nicht dramatisch. Aber konstant.
Diese Übung hat für mich etwas Entscheidendes verändert.
Sie hat mir nicht sofort Antworten gegeben – aber sie hat Ordnung geschaffen. Und Klarheit ist oft der erste echte Schritt.

Warum Rollen uns Halt geben – und uns gleichzeitig begrenzen können
Wir alle leben in Rollen:
Mutter. Tochter. Partnerin. Kollegin. Führungskraft. Die Verlässliche. Die Starke.
Rollen geben Struktur und Orientierung.
Aber manchmal verlieren wir uns in ihnen – besonders dann, wenn wir beginnen, Erwartungen zu erfüllen, statt uns selbst zu spüren.
Eine zentrale Frage ist dabei:
Wer wärst du, wenn du für einen Moment nicht die sein müsstest, die du glaubst sein zu müssen?
Die Übung: Deine Rollen erkennen – und dich dahinter wiederfinden
Nimm dir Zeit. Schreib mit. Spür nach.
Diese fünf Fragen sind kein schneller Selbstoptimierungs-Check, sondern eine Einladung zur Ehrlichkeit.

1. Welche Rollen bestimmen gerade dein Leben?
Welche „Hüte“ trägst du aktuell – täglich, selbstverständlich, oft unbewusst?
Beruflich, familiär, sozial.
➡️ Schreib alle Rollen auf.
Am besten als Mindmap. Das schafft Abstand – und erste Klarheit.
2. Welche innere Frage oder Aussage ist mit jeder Rolle verbunden?
Nicht jede Rolle ist frei gewählt.
Manche entstehen aus Erwartungen, aus Prägung, aus Anpassung.
➡️ Spür hinein:
Welche inneren Sätze tauchen auf?
„Ich muss funktionieren.“
„Ich darf niemanden enttäuschen.“
„Ich darf mir keine Pause erlauben.“
3. Welche Gefühle sind mit dieser Rolle verknüpft?
Emotionen sind unsere größte Stärke – und oft unser größter blinder Fleck.
➡️ Welche Gefühle tauchen auf, wenn du an diese Rolle denkst?
Freude? Druck? Schuld? Überforderung? Leere?
Alles darf da sein. Nichts ist falsch.
4. Wo zeigen sich diese Gefühle in deinem Körper?
Körper, Geist und Seele sind kein getrenntes System.
Vielleicht kennst du dieses Zitat:
„Geh du vor“, sagte die Seele zum Körper. „Auf mich hört er nicht.“
➡️ Gibt es körperliche Signale, die mit bestimmten Rollen zusammenhängen?
Verspannungen, Erschöpfung, Unruhe, Schmerzen?
Dein Körper spricht oft früher als dein Verstand.
5. Welcher tiefere Wunsch steckt hinter dieser Rolle?
Hinter jeder Rolle liegt ein Bedürfnis.
Vielleicht nach Ruhe. Nach Kreativität. Nach Tiefe. Nach Freiheit.
➡️ Frag dich nicht: Was sollte ich tun?
Sondern: Was will dieser Wunsch mir zeigen?

Was am Ende dieser Übung wirklich entsteht
Du hast jetzt keine Lösung – aber Ordnung.
Und Ordnung ist machtvoll.
Stell dir dein Inneres wie eine überfüllte Schublade vor.
Solange alles durcheinanderliegt, findest du nichts.
Wenn du sortierst, kannst du gezielt hinschauen – wenn du bereit bist.
Achte darauf:
- Welche Rollen melden sich laut?
- Welche sind leise?
- Welche fühlen sich überraschend schwer an?
Manchmal sind die lautesten Rollen nicht die wichtigsten – sondern Schutzmechanismen.
Ein letzter Gedanke für dich
Diese Übung löst nichts „auf“.
Aber sie bringt dich näher zu dir.
Und manchmal ist genau das der Moment, in dem echte Veränderung beginnt.
Wenn du magst, teile gern, was sich für dich gezeigt hat.





